Dramatische Werke by Friedrich Schiller

Dramatische Werke by Friedrich Schiller

Author:Friedrich Schiller
Language: deu
Format: epub


Dritter Aufzug.

Ein Zimmer.

Erster Auftritt.

Illo und Terzky.

Terzky.

Nun sagt mir, wie gedenkt Ihr's diesen Abend

Beim Gastmahl mit den Obristen zu machen

Illo.

Gebt Acht! Wir setzen eine Formel auf,

Worin wir uns dem Herzog insgesammt

Verschreiben, sein zu sein mit Leib und Leben,

Nicht unser letztes Blut für ihn zu sparen;

Jedoch der Eidespflichten und beschadet,

Die wir dem Kaiser schuldig sind. Merkt wohl!

Die nehmen wir in einer eignen Klausel

Ausdrücklich aus und retten das Gewissen.

Nun hört! Die also abgefaßte Schrift

Wird ihnen vorgelegt vor Tische, Keiner

Wird daran Anstoß nehmen – Hört nun weiter!

Nach Tafel, wenn der trübe Geist des Weins

Das Herz nun öffnet und die Augen schließt,

Läßt man ein unterschobnes Blatt, worin

Die Klausel fehlt, zur Unterschrift herumgehn.

Terzky.

Wie? Denkt Ihr, daß sie sich durch einen Eid

Gebunden glauben werden, den wir ihnen

Durch Gaukelkunst betrüglich abgelistet?

Illo.

Gefangen haben wir sie immer – Laßt sie

Dann über Arglist schrein, so viel sie mögen.

Am Hofe glaubt man ihrer Unterschrift

Doch mehr, als ihrem heilisten Betheuern.

Verräther sind sie einmal, müssen's sein;

So machen sie aus der Noth wohl eine Tugend

Terzky.

Nun, mir ist Alles, lieb, geschieht nur was,

Und rücken wir nur einmal von der Stelle.

Illo.

Und dann – liegt auch so viel nicht dran, wie weit

Wir damit langen bei den Generalen;

Genug, wenn wir's dem Herrn nur überreden,

Sie seien sein – denn handelt er nur erst

Mit seinem Ernst, als ob er sie schon hätte,

So hat er sie und reißt sie mit sich fort.

Terzky.

Ich kann mich manchmal gar nicht in ihn finden.

Er leiht dem Feind sein Ohr, läßt mich dem Thurn,

Dem Arnheim schreiben, gegen den Sesina

Geht er mit kühnen Worten frei heraus,

Spricht stundenlang mit uns von seinen Planen,

Und mein' ich nun, ich hab' ihn – weg auf einmal

Entschlüpft er, und es scheint, als wär' es ihm

Um nichts zu thun, als nur, am Platz zu bleiben.

Illo.

Er seine alten Plane aufgegeben!

Ich sag' Euch, daß er wachend, schlafend mit

Nichts Andrem umgeht, daß er Tag für Tag

Deßwegen die Planeten fragt –

Terzky.

Ja, wißt Ihr,

Daß er sich in der Nacht, die jetzo kommt,

Im astrologischen Thurme mit dem Doctor

Einschließen wird und mit ihm observieren?

Denn es soll eine wicht'ge Nacht sein, hör' ich,

Und etwas Großes, Langerwartetes

Am Himmel vorgehn.

Illo.

Wenn's hier unten nur geschieht.

Die Generale sind voll Eifer jetzt

Und werden sich zu Allem bringen lassen,

Nur um den Chef nicht zu verlieren. Seht!

So haben wir den Anlaß vor der Hand

Zu einem engen Bündniß wider'n Hof.

Unschuldig ist der Name zwar, es heißt:

Man will ihn beim Kommando bloß erhalten.

Doch wißt Ihr, in der Hitze des Verfolgens

Verliert man bald den Anfang aus den Augen.

Ich denk' es schon zu karten, daß der Fürst

Sie willig findet – willig glauben soll

Zu jedem Wagstück. Die Gelegenheit

Soll ihn verführen. Ist der große Schritt

Nur erst gethan, den sie zu Wien ihm nicht verzeihn,

So wird der Nothzwang der Begebenheiten

Ihn weiter schon und weiter führen; nur

Die Wahl ist's, was ihm schwer wird; drängt die Noth,

Dann kommt ihm seine Stärke, seine Klarheit.

Terzky.

Das ist es auch, worauf der Feind nur wartet,

Das Heer uns zuzuführen.

Illo.

Kommt! Wir müssen

Das Werk in diesen nächsten Tagen weiter fördern,

Als es in Jahren nicht gedieh – Und steht's

Nur erst hier unten glücklich, gebet Acht,

So werden auch die rechten Sterne scheinen!

Kommt zu den Obersten! Das Eisen muß

Geschmiedet werden, weil es glüht.



Download



Copyright Disclaimer:
This site does not store any files on its server. We only index and link to content provided by other sites. Please contact the content providers to delete copyright contents if any and email us, we'll remove relevant links or contents immediately.